DDR Diktatur und ein "geeintes" Deutschland....Gedanken von Stephanie

Immer wieder höre ich: hier haben wir schon DDR 2.0

Was heißt das eigentlich ? Beim Thema Familie/Kinder/Beruf haben wir im Vergleich sicherlich schon DDR 5.0, so wie politisch ohnehin. Doch eingehen möchte ich heute nur auf das erste Thema.

Selber in der DDR geboren, aufgewachsen und bis zu meinem 38sten Lebensjahr dort gelebt, kann und möchte ich einen Vergleich wagen. Meine Lebensphilosophie damals:

„Es ist alles im Argen, aber wir haben ja die sozialistische Sonne über uns“.

Ich durfte mit meiner Familie, Ehemann und zwei Töchter, im Frühjahr 1989 endlich, nach einem fünf Jahre bearbeiteten Ausreiseantrag, diese DDR Diktatur verlassen. Gott sei dank weg von staatlicher Bevormundung, Stasi Bespitzelung, der massiv eingeschränkten Meinungsfreiheit, Mangelwirtschaft und ewigem Schönreden dieses sozialistischen Systems. Die Tragik: im Herbst 89 waren die Grenzen offen, aber wer konnte das ahnen!

Hier in der damaligen Bundesrepublik angekommen, starteten wir durch und haben unsere Kinder in ein vermeintlich zukunftssicheres Leben begleitet – so unsere Annahme…

Mittlerweile sind wir eines Besseren belehrt worden. Mir tun sich immer mehr Vergleiche auf, die es mir wichtig sind einmal näher zu beleuchten.

Anders als in der damaligen BRD, war es wie ein vorgeschriebener Lebensweg, dass auch alle Mädchen nach der Schule einen Beruf erlernten, meist sehr zeitig heirateten und auch recht früh Kinder geboren wurden. Das Durchschnittsalter Mutter zu werden, lag bei knapp 20 Jahren. Kinder zu bekommen war das Normalste auf der Welt und wurde nicht hinterfragt. Obwohl es die Pille auf Rezept  schon ab 1971 gab, und auch eine Überweisung zur Schwangerschaftsunterbrechung (ohne Beratung) nur der Hausarzt ausstellen konnte, wurde jedes Neugeborene herzlichst und mit Freude begrüßt.

Schon die Zeit der  Kinderbetreuung gestaltete sich anders als hier im Westen. Ein Kitaplatz war staatlich garantiert, und kostete 25-30 Mark/Monat inkl. Essen, ein extra Windelgeld wurde nicht berechnet. Wir hatten nur Stoffwindeln für unsere Kinder, von Pampers wie hier konnten wir nur träumen. DDR Kleinstkinder waren oft bis zu 10 Stunden in der Krippe, auch gab es sogenannte Wochenkrippen, in denen die Kinder von Montag bis Freitag betreut wurden. Oft genutzt von Schichtarbeiterinnen oder Studenten. Die Kleinen wurden von ausgebildeten Krippenerzieherinnen und Kindergärtnerinnen betreut. Die meisten Einrichtungen waren unter staatlicher Kontrolle, es war genau festgelegt, wie die Entwicklungsstufen gefördert werden sollten, wann man sie an eigenständiges Essen heranzuführen hatte, und wann sie an Toilettengänge zu gewöhnen sind. Ich selbst habe meine Kinder nach der Arbeit oft erst noch selbst von der Töpfchenreihe erlösen können (eine Vorrichtung wo bis 6 Kinder nebeneinander saßen) und deren Hintern schon ganz rot war von zu langem Sitzen, es wurde erst aufgestanden, wenn alles erfolgreich erledigt war. Da gab es kein Pardon!

Der Betreuungsschlüssel lag damals bei einer Erzieherin für 6 Kinder. Ich kann sagen, dass meine Kinder das Glück hatten mit sehr liebevollen Erzieherinnen. Jedoch war auch immer klar, es herrschte eine teilweise dressurähnliches, autoritär gesteuertes Klima in der Krippe. Im Vordergrund stand nicht das einzelne Kind, sondern das Wohl des Kollektivs. Der sozialistische Gedanke wurde von Anfang an in den Focus gestellt.

Ob Kinderspiele, Kinderreime oder Kinderlieder, alles wurde staatlich geregelt.

Im Kindergarten gab es Kriegsspielzeug, vom Panzer bis hin zu Soldatenfiguren für Mädchen und Jungen, das war ganz normal. Ich habe manchen Kampf dagegen gefochten, immer verloren. Das kommunistische System hatte eigene feste Erziehungsmaßnahmen von der Geburt eines Kindes an. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Kinderlieder dieser Zeit:

Wie es hier in den 90er Jahren in Kitas war vermag ich nicht zu beurteilen, aber in der Bundesrepublik war der Focus auf die häusliche Betreuung der Kinder von der Mutter gelegt.

Der Unterschied für mich liegt in der Bewertung:

DDR: Wer als Mutter nicht arbeitete und für die eigenen Kinder zu Hause blieb, galt als faul und nicht solidarisch für die arbeitende Bevölkerung und den Kampf für den Sozialismus gegen den Kapitalismus!

BRD:  Hier im Westen lernte ich den Begriff „Rabenmutter“ kennen; gemeint waren Frauen, die ihre Kinder selbst betreuten und den Beruf erstmal in den Hintergrund stellten. Der Mann war der Ernährer. Es galt die alte Rollenverteilung.

Eine große Errungenschaft 1976 in der DDR war das bezahlte Babyjahr. Zwar war der Hintergrund die gesunkenen Geburtenzahlen, aber es gab eine Lohnfortzahlung in Höhe von 80% ab dem ersten Kind für sechs Monate, ab dem zweiten Kind für zwölf Monate. Der Arbeitsplatz war gesichert. Auch ich kam mit unserem zweiten Kind in diesen Genuss, damals fand ich es eine großartige Errungenschaft im Sozialismus!

Das gab dem sozialistischen Einheitsgedanken einen Auftrieb… aber nur vorübergehend…

In der BRD war das Familienbild ein anderes. Die Familie stand im Vordergrund, mit Sicherheit für die Kinder ein sehr guter Start ins Leben. Keine Mutter morgens schon im Stress, im Laufschritt die Kinder in die Kita bringen, und dann einen acht Stunden Arbeitstag zu bewältigen. Aber es war Normalität für Frauen im DDR Alltag. Aber wir Frauen fühlten uns  dort gleichberechtigt, mit allen beruflichen Chancen wie unsere Männer.

Die BRD Frauen, an den Herd „gefesselt“, beneideten wir in dieser Hinsicht nicht. Aber wir kannten es ja auch nicht anders.

Meine Gedanken an vergangene Zeiten……..Fortsetzung folgt.

Foto/Video: Pixabay/YouTube, Text Stephanie

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