Corona, Senioren haben das Nachsehen

Eigentlich habe ich genug von den täglichen Meldungen über Zahlen und angeblichen Folgen von Corona-Infektionen, diese Panikmache mit System. Nun kann man sich davor kaum schützen, jedoch ist der mediale Hype unerträglich. Gibt es nicht genug erhöhte Zahlen, dann schaut man in die Welt und schürt so die Angst in unserem Land. Gäbe es nicht die vielen freien Medien, dann würde ich wahrscheinlich verrückt werden. Nur die öffentlich-rechtlichen Medien, wie ARD und ZDF zu schauen, ertrage ich nicht, denn diese gleichen der „Aktuellen Kamera“ wie in der damaligen DDR.

Aber worauf will ich hinaus? In einer weit verbreiteten Zeitschrift in Deutschland fand ich einen Artikel über eine Seniorin, die WLAN für alle fordert. Eine gute Idee wie auch ich meine. Nicht nur junge Leute haben dieses Medium für sich entdeckt, auch die heute teilweise gut vernetzten älteren Menschen. Solange man in den eigenen Wänden noch zurechtkommt, ist das sicherlich für die meisten Senioren kein Problem. Auch sie haben Gefallen daran gefunden online Kleidung zu bestellen, Video-Telefonie zu nutzen und auch ärztliche Beratung in Anspruch zu nehmen. Gerade in Zeiten von Corona eine große Erleichterung.

Was aber, wenn ein Wohnen zu Haus nicht mehr möglich ist? Der Gang in ein Alten-oder Seniorenheim ist schmerzlich, aber oft nicht vermeidbar, und somit notwendig.

Nun ist es mit dem WLAN so eine Sache. In 37% aller Einrichtungen in Deutschland gibt es WLAN, nur 6% der Heime stellen dieses kostenlos zur Verfügung. Es gibt 11.712 Alten- und Pflegeheime in Deutschland. Davon befinden sich rund 44 % mittlerweile in privater Trägerschaft. Der Anteil der freigemeinnützigen Träger nimmt hingegen immer weiter ab. Zu ihnen gehören die  großen Wohlfahrtsverbände, z.B. Diakonie, Caritas oder auch DRK, mit einer Belegung mit 79 Plätzen. In kommunaler Hand sind bundesweit nur knapp vier Prozent, meist mit einer Anzahl von 87 Pflegeplätzen. Hingegen Altenheime in privater Hand im Schnitt über 75 Pflegeplätze verfügen. Deutlich, aber erkennbar, der Staat entzieht sich immer mehr seiner Verantwortung.

Nun ist nicht jeder alte Mensch, der aus den unterschiedlichsten Gründen in ein Alten – oder Pflegeheim sich begibt finanziell gut aufgestellt.  Je nach Schweregrad der Einschränkung und Pflegestufe steigen die Pflegekosten stetig an. Oft reicht die Rente nicht aus, der Staat, somit die Pflegekasse muss bezuschussen. Im Jahr 2020 ist dies wie folgt geregelt:

Pflegesachleistung bei stationärer Pflege im Heim:

Pflegegrad 1     125 Euro            

Pflegegrad 2    770 Euro            

Pflegegrad 3  1262 Euro              

Pflegegrad 4  1775 Euro            

Pflegegrad 5  2005 Euro   monatlich.

Nun müssen Senioren in Corona Zeiten mit zahlreichen Einschränkungen zurechtkommen. Besuchszeiten waren für Angehörige sogar auch schon verboten, einige Lockerungen machen diese unter Einhaltung strenger Auflagen wieder möglich. Eine Belastung für die alten Menschen, die Angehörigen und das Pflegepersonal.

Senioren mit geringem Einkommen aber können sich nicht ständig für ihr Handy das Datenvolumen auffüllen. Zumal das Taschengeld als Eigenbehalt nur 116 € beträgt, die restliche Rente geht für die Pflege drauf.

Folgen sind Vereinsamung bis hin zu Depressionen. Der oft fehlende Kontakt zu den Lieben macht den Menschen sehr zu schaffen und bringt sie an den Rand der Verzweiflung. Es ist paradox, diese Menschen schützen zu wollen ist oberste Priorität im Umgang mit Corona, aber sie seelisch verkümmern zu lassen grenzt an ein Martyrium.

Was liegt da nahe, WLAN für alle endlich kostenlos zur Verfügung zu stellen, und das in sämtlichen Einrichtungen? Wer in ein Heim einzieht, lässt sein ganzes Leben hinter sich, Familie, Freunde, Nachbarschaft, muss sich ganz neu orientieren, eine sehr große und schwierige Herausforderung die bewältigt werden muss. Das Handy kann in Corona Zeiten die Verbindung nach „Draußen“ sichern. Ein Videoanruf oder die WhatsApp-Nachricht vom Enkel kann Kummer lindern. Woran liegt es, dass unser Netz so schlecht ist? Am Geld? Am Willen? Haben Senioren nicht die richtige Lobby? Sie haben unseren Wohlstand aufgebaut, sie haben ein Recht auf jegliche Annehmlichkeiten unserer Zeit. Aber in Sachen Digitalisierung liegt Deutschland im EU-Vergleich nur auf Platz 12. Es gibt noch viel zu tun. Sichtbar wird aber in Corona Zeiten, dass von Seiten der Politik immer nur Geschwurbel kommt, jedoch sieht die Realität, wie in diesen Fällen ganz anders aus. Leider haben viele unserer Senioren/ -innen das Nachsehen.

Die Lösung? Sie wird auf sich warten lassen so ist es zu befürchten. Geld allein wird nicht helfen, denn die Kapazitäten der durchführenden Firmen, WLAN einzurichten sind nicht endlich. Was über Jahre versäumt wurde, lässt sich nicht in so schnell aufholen.

Eine Hoffnung besteht, die Senioren selbst und deren Angehörigen sollten ihre Stimmen erheben und die Verantwortlichen zum Handeln auffordern, mit dem Ziel, WLAN kostenfrei für alle anzubieten. Aber es ist zu befürchten, dass es noch ein langer Weg sein wird bis dahin.

Titelbild Pixabay, Text Stephanie 04.10.2020

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on vk

Wir freuen uns über Deinen Kommentar

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Copyright „Unser Deutschland“ 2020

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen