Der BER: Milliardengrab für den Steuerzahler

Nach Jahren der Planung und Bau des Berliner Flughafens soll es nun endlich soweit sein: 

Am 31. 10.2020 ist die große Eröffnung dieses Mammutprojektes. Der Zeitpunkt ist äußerst unglücklich, denn in Corona-Zeiten wird wahrscheinlich seltener ein Flieger starten. Aber man darf ja froh sein das der Flughafen nun überhaupt eröffnet wird. Milliarden Euro hat dieses Projekt bereits verschlungen, und es wird noch weitere Steuergelder verschlingen den BER wirklich gewinnbringend zu führen.

In China wurde der dreimal so große Daxing-Airport in nur 4 Jahren errichtet, und mit einem einigermaßen gut geplanten Budget eröffnet, obwohl dieses Projekt sicherlich aus Staatsräson durchgepeitscht wurde. In Berlin glänzte man bisher nur mit Negativrekorden in jeder Beziehung. Aber blicken wir einmal zurück.

Bereits von 1989 bis 1999 begann man dieses Großprojekt zu planen. Einen Monat nach dem Mauerfall kamen in der Politik die ersten Richtungsweisungen für Bau eines neuen Hauptstadtflughafen am Südostrand der ehemaligen Hauptstadt der DDR ins Gespräch. Eine Projektgemeinschaft wurde zwischen der Lufthansa und der damaligen staatlichen Fluggesellschaft der ehemaligen DDR „Interflug“ gegründet. Daraus entwickelte sich 1991 eine Arbeitsgemeinschaft zwischen Mannesmann und AEG, welche später fusionierte. Eine Flughafengesellschaft wurde gegründet, und im April 1991 ein „Masterplan“ vorgelegt.

Die Betreiber konzentrierten sich auf den Ausbau von Berlin-Schönefeld, kauften eine große, völlig überteuerte Ackerfläche, jedoch ohne Zustimmung der beteiligten Länder. Diese Fläche liegt bis heute brach! Aufgeben wollten die Planer aber nicht. Die Flughafengesellschaft legte einen Projektentwurf mit Wachstumsmöglichkeiten auf bis zu 60 Millionen Passagiere, und mit bis zu vier Startbahnen vor. Nach zähen Verhandlungen, auch bezüglich der Kosten, einigten sich Bund und Länder 1996 auf Schönefeld, geplante Kosten rund 800 Mill Euro. Das sollte bei Weitem nicht reichen, wie wir heute wissen.

Bis zum Baubeginn sollte es noch dauern. 2001 waren gerade einige kleine Vorbereitungsarbeiten zu verzeichnen. Das Planfeststellungsverfahren dauerte 3 Jahre, eine Klagewelle großen Ausmaßes von Anwohnern zögerte den wirklichen Baubeginn hinaus. Geplant war die Eröffnung des BER 2007, bereits 2002 beschließt man den Eröffnungstermin auf das Jahr 2009 zu verschieben. Es sollten noch etliche Neuplanungen geben!

Es ging um sehr viel Geld, Privatinverstoren und die öffentliche Hand konnten sich nicht endgültig auf einen finanziellen Rahmen einigen. Die Lösung: der Staat entschädigt das Konsortium und beschließt den Bau selbst zu organisieren. Dies war der Beginn der Ausbeutung der Steuern zahlenden Bürger unseres Landes in einem ungeheuerlichen Ausmaß!

Erst 2005 zeigten sich einige Baufortschritte an der Südbahn, die Planungen waren weitgehend abgeschlossen und so konnte 2006 der erste Spatenstich für das Terminal endlich erfolgen, aber  der Eröffnungstermin wird auf das Jahr 2011 verschoben.

Im Jahr 2007 schien es sichtbar voranzugehen. Der Bau der Südbahn und die Außenanlagen waren in Angriff genommen, das Hauptgebäude mit 220 000 Quadratmetern geht in die Startphase. Hier wird jedoch der Staat in die Verantwortung genommen, anstatt dies einem Privatunternehmer zu übergeben. Die Misere nahm ihren Lauf, die geplanten Baukosten betrugen nun schon mehr als 2 Milliarden Euro.

Wen schert es, die Steuergelder sprudeln in die Staatskasse. Ein Zurück, oder Überdenken der Vorgehensweise kommt für die Politik nicht infrage. Aber es geht voran, Startbahnen bekommen Formen, Gebäude, das Vorfeld und der Flughafenbahnhof unter dem Terminal sind sogar schon fertig. Jedoch stellte man fest, Umplanungen des Terminals mit einem Zusatzgeschoss und Zusatzarbeiten erhöhen die Kosten auf ca. 2,5 Milliarden Euro. Der Finanzplan gerät ins Wanken. In der Zwischenzeit entwickelte sich Berlin als hippe Metropole für Kulturfreunde, das Geschäft mit den Billigfliegern boomt. Die Airports Tegel und Schönefeld entwickeln sich zu den am schnellsten wachsenden Start- und Landeplätzen Deutschlands. Die Politik denkt um und plant neu. Statt 22 Mill. soll dieser nun auf eine Kapazität von 27 Mill. Passagieren ausgelegt werden. Jedoch traten derweil immer mehr Probleme im Hauptgebäude auf, die Eröffnung des Airports verschob sich von 2011 auf das Jahr 2012.

Endlich soll es soweit sein: Zum 24. Mai 2012 sind 1000 Teilnehmer inklusive A. Merkel geladen, dieses lang ersehnte Ereignis zu feiern. Mindestens 30 000 Menschen sollten diesen Tag am Brandenburger Tor feierlich begleiten. Alle Geschäfte sind vermietet, ein Rundgang durch die Abfertigungshallen sollen den Medien und Betreibergesellschaften einen Eindruck geben, was doch geschafft wurde.

Doch das Desaster nimmt seinen Lauf. Der Eindruck der Vollkommenheit gerät wegen starken Mängeln der Meldeanlagen und der Entrauchungstechnik ins Wanken. Die Probleme beim Brandschutz sind gravierend. Trotz aller Anstrengungen folgte der „Kollaps“, durch die weitere Verzögerung der BER-Eröffnung droht der Flughafengesellschaft sogar die Insolvenz. Ein Eröffnungsdatum liegt in weiter Ferne. Die Medien greifen dieses Thema auf und berichten zeitweise darüber. Ein Infragestellen oder gar STOP des BER wurde nicht angeregt.

Von 2013 bis 2017 wechseln mehrfach die Führungen des Bauvorhabens, Behörden und Techniker arbeiten am Limit, um zu retten, was zu retten geht. Aber wir müssen uns keine Sorge machen um diese hochdotierten „Fachleute“, mit finanziellen Konsequenzen hatten sie alle nicht zu rechnen. Der Steuerzahler ist immer die beste Garant gegen Zahlungsausfälle. Es folgen weitere Probleme mit der Sprinkleranlage und den Automatiktüren. Zudem stellt man 2016 fest, die Kapazitäten von 27 Mill. Passagieren wären zu knapp, es erfolgt eine weitere Ausschreibung eines Erweiterungsbaus.

Inzwischen war man Im Jahr 2018 angelangt. Die Flughafengesellschaft fand neue Einnahmequellen. Der VW-Konzern mietet während der bestehenden Dieselaffäre 8000 Stellplätze auf dem Gelände des BER an, rund um das Terminal. Nicht verkaufbare Dieselfahrzeuge mit manipulierter Technik werden dort zwischengeparkt. Diese Geldeinnahme scheint sehr willkommen. Endlich scheint auch die Entrauchungsanlage funktional und sicher. Der neue Flughafenchef Lütke Daldrup verkündet den bis heute gültigen Eröffnungstermin für den 31.Oktober 2020.

Ist nun alles in grünen Tüchern? Keinesfalls, denn Corona sorgt fast für einen Stillstand in der Flugbranche, Airport Tegel ist derzeit bereits so gut wie geschlossen. Aber anstatt das prächtige Neubauterminal zu nutzen reicht die spartanische Abfertigungshalle im alten Schönefeld. Etwas Geld fließt jedoch, denn rund um das Terminal parken nun Fluggesellschaften, wie EasyJet oder Lufthansa ihre Maschinen und zahlen dafür hohe Parkgebühren.

In einigen Medien ist aber schon zu lesen das die Kosten bereits mit 7,1 Milliarden bis zur geplanten Eröffnung kalkuliert werden, da noch sogenannte Nachlaufkosten hinzukommen.

Bekannt ist, dass von den gesamten Kosten dann der Berliner Landeshaushalt von 2005 bis 2019 einen Betrag von insgesamt 1,084 Milliarden Euro geleistet hat. So manche Kita- oder Schulneubauten wären leicht zu schultern gewesen. Aber seitens der Politik wurden andere Prioritäten gesetzt. Wie es weitergehen wird vermag sicher niemand zu sagen. Wenn die Politik den Corona-Wahnsinn so weiterführt und uns Menschen das Reisen immer mehr verbietet, ob ins Ausland oder innerhalb der EU, sogar innerhalb unseres eigenen Landes, dann ist so ein überdimensionierter Flughafen sicherlich kontraproduktiv. Zu hören ist, dass dieser trotz minimaler Nutzung ca. 1,5 Millionen Euro/Tag Kosten erzeugt. Den Steuerzahler wird es weiterhin „freuen“.

Jedoch gilt eine berechtigte Frage: was hätte alles mit diesen verschwendeten Geldern in unserem Land bewältigt werden können, aber dabei stößt man auf taube Ohren.

Es sind seit dem ersten Gedanken einen neuen Flughafen zu errichten, in Berlin bis heute sage und schreibe 30 Jahre vergangen. Milliarden Gelder wurden verbaut oder verschludert. Für mich ein grenzenloses Versagen der Verantwortlichen den Menschen gegenüber, jedoch sehr gut vergleichbar mit der verheerenden Planwirtschaft der damaligen DDR. Erich Honecker und Co. lassen grüßen! Die DDR-Eliten scherte es nicht ein Land in den finanziellen Ruin zu führen, Hauptsache es diente ihrer Ideologie und Staatsmacht, der Gedanke scheint auch jetzt in unserer Zeit nicht abwegig.

Bei meiner Recherche bin ich auf unzählige Meinungen, Statistiken, Berechnungen gestoßen, die allesamt eine verheerende Bilanz vom Bau dieses „Prestigeprojektes“ aufzeigen. Meine Idee dahinter war der Versuch ein etwaiges Bild von dem Bauablauf aufzuzeigen. Ein Anspruch der Vollständigkeit erhebe ich natürlich nicht. 

Dies zeigt die aufgelaufenen und noch kommenden Kosten durch den Bau des BER. Foto vom 18.10.2020, 20.55 Uhr. Die ständig neu entstehenden finanziellen Belastungen können hier in Echtzeit eingesehen werden.

Titelbild Pixabay, Stephanie 18.10.2020

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