Buschholz gegen Steinkohle?

Die seltsamen Wege des Hamburger Senats

Auch in Hamburg möchte man sich natürlich effizient an der Energiewende beteiligen, auch wenn man dafür manchmal etwas seltsame Wege beschreiten muss. So kam der Hamburger Senat auf die kuriose Idee Steinkohle gegen Buschholz aus Namibia einzutauschen, um den stets erhöhten CO2-Wert endlich auf ein erträgliches Maß abzusenken, natürlich mit dem Wohlwollen der Fridays for Future-Kids. Die sonst allgegenwärtigen Demos sind zur Zeit ja etwas rückläufig, der US-Wahl und Corona sei Dank. Bei mir war dieses Thema ein wenig ins Abseits geraten, bis ich neulich durch Zufall einen Zeitungsartikel las, der mich unwillkürlich zum Lachen brachte.

Kommentar v. Stephanie 09.11.2020, Foto Pixabay

Ich las also über ein aktuelles Programm zwischen Hamburg und Namibia, einem sogenannten „Memorandum of Understanding“ , welches im Mai 2020 unterzeichnet wurde. Der Plan: eine Nutzung von Buschholz aus der Savanne Namibias für die Betreibung der Steinkohlekraftwerke in Hamburg. Dieses sollte durch eine bilaterale „Klimapartnerschaft“ besiegelt werden. Hintergrund ist das Vorhaben des rot-grünen Senates den Steinkohleausstieg voranzutreiben. Also Buschholz soll die Steinkohle ersetzen! Ein waghalsiges, und vor allem sehr fragwürdiges Unterfangen. Obwohl behauptet wird, dass die Wertschöpfung größtenteils in Namibia stattfinden soll. Aber das alles hört sich schon sehr abenteuerlich an.

RT Deutsch 25.10 2020

Wie es heißt, hat Namibia ein großes Umweltproblem mit der Überwucherung der Grassavannen durch die Schwarzdorn-Akazie. Es ist bis heute nicht geklärt, warum sich diese Art so schnell ausbreitet. Die Hamburger Umweltbehörde sieht in der Zusammenarbeit mit dem südwestafrikanischen Land die Lösung von gleich zwei Problemen:

1. Die Savanne wird von Überwucherung befreit.

2. Die Treibhausgasmissionen könnten durch Verbrennung der Biomasse gegenüber der Erdgasnutzung oder Kohlebefeuerung der Kraftwerke wesentlich reduziert werden.

Soweit die Theorie. Die angestrebte „Biomasse-Partnerschaft“ ist jedoch nicht ganz einfach. Es sind noch sehr viele Fragen offen, und die Vertreter der Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen aus Namibia und Hamburg, darunter auch die Initiative „Tschüss Kohle“ , haben darum drei Arbeitsgruppen gebildet. Mir fällt an dieser Stelle der Ausspruch ein:

„WENN DU NICHT MEHR WEITER WEIST, DANN BILDE EINEN ARBEITSKREIS“.

Man kann eine kleine Anfrage der Partei „Die Linke“ an den Hamburger Senat hier nachlesen.

Treffen aus beiden Ländern haben schon stattgefunden, weitere Termine stünden bereits fest. Fragen sind zu klären hinsichtlich der Beteiligung der Viehzüchter, Farmer und Holzerntehelfer in Namibia. Welchen Nutzen haben diese Menschen von diesem Projekt, und wie können sie davon partizipieren? All dies‘ steht noch zur Diskussion. Für den Hamburger Senat scheint aber bereits klar zu sein, dass Namibia sein Holz nicht einfach selbst verfeuern kann. Der Strombedarf des Landes sei so niedrig, dass sich ein Biomassekraftwerk dort nicht lohne. Photovoltaik und Windkraft seien günstiger.

Es sind noch viele Fragen zu klären, ehe das Projekt aktiv in Angriff genommen werden könne (lt. CDU Abgeordneten Sandro Kappe). Einigkeit besteht in dem festen Willen, es dürfe auf keinen Fall zu sozialen Schieflagen und Umweltzerstörung kommen.

„Wir werden den Prozess kritisch und konstruktiv begleiten“, versicherte dazu der CDU-Umweltpolitiker Jörg Meyer. Wie will der Hamburger Senat das organisieren und garantieren?

Aus der Hamburger Umweltbehörde war zu vernehmen, dass dieses Projekt kaum im Sinne einer -sozialgerechten, klimaverträglichen und demokratisch kontrollierten Energieversorgung aus erneuerbaren Energien ist. Das hört sich nach sehr viel Skepsis an…

Aber das ist auch gut so. Denn ein solch‘ länderübergreifendes Projekt darf auf keinen Fall ein Schnellschuss sein! Die Dreier-Partnerschaft hatte sich als Ziel gesetzt, im Sommer 2020 der staatlichen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ein Energiekonzept vorzulegen. Zahlreiche Proteste von ROBIN WOOD  und anderen Umweltverbänden führten allerdings bis heute dazu, dass auf der Seite des Hamburger Senats das Projekt „Buschholz Namibia“ verschwunden ist. Was dies bedeutet vermag ich nicht zu sagen, aber es bestärkt die Annahme, dass dieses Projekt auf Eis gelegt wurde.

Fazit

Ich verstehe dieses Projekt als nur eine der Möglichkeiten von Zusammenarbeit verschiedener Staaten zur Erreichung der sogenannten Klimaziele weltweit. Sicherlich sind es wesentlich mehr Aspekte die zu betrachten wären. Für mich ist es aber ein Projekt, welches bei guter Zusammenarbeit noch sehr viel mehr Potential hätte. Eine entscheidende Frage bleibt jedoch:

Kann die Verarbeitung von Buschholz zu Pellets wirklich dem Klima helfen? Denn, das Material müsste ja irgendwie nach Hamburg gelangen? Würde die (noch zu prüfende) Energieeffizienz durch den Transport wieder zunichte gemacht werden? Die Politik geht oft seltsame Wege,….und hier bestimmt! Soll man das Ganze also also ernst nehmen, oder als abstruse Idee der dafür bekannten Parteien begreifen? Man darf gespannt sein.

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