Mensch und Natur

Unsere Stubentiger: Eine Gefahr für die Artenvielfalt?

Katzen sind bereits seit Jahrtausenden Wegbegleiter des Menschen. In der Menschheitsgeschichte finden sich Hinweise, dass bereits im 6.Jahrtausend in Jericho Katzen gehalten wurden. In der Zeit um 2000 v. Christus verehrten die Ägypter bereits Katzen und begannen diese als Haustiere zu domestizieren. Bis in unsere heutige Zeit hat sich die Liebe zu diesen Stubentigern erhalten.

In Deutschland leben ca. 15 Millionen der unterschiedlichsten Rassen in unseren Haushalten, sowohl in Ballungsgebieten als auch im ländlichen Raum. Sie werden geliebt, beschmust, verwöhnt, und oft sind sie Kind- oder Partnerersatz. Sie werden in vielen Familien vermenschlicht und ihrem natürlichen Drang in Freiheit zu leben beraubt. Sehr viele von ihnen, besonders die in der Anschaffung teuren Rassekatzen, verbringen ihr gesamtes Leben nur in Wohnungen oder Häusern. Nie haben sie die Chance einmal auf Gras zu laufen oder auf Bäume zu klettern. Eigentlich lernen sie als Sozialpartner auch keine anderen Lebewesen als uns Menschen kennen. Denn obwohl Katzen eigentlich eher Einzelgänger sind, kann die Bindung zu Artgenossen oder „ihren Menschen“ sehr groß sein. 

Wir sind eigentlich sehr egoistisch gegenüber den Bedürfnissen dieser kuschligen Vierbeiner.  Oft sind sie Ersatz für eine Leere in uns, und Beschäftigungstherapie gegen Einsamkeit.

Katzen haben sich über die Jahrtausende uns Menschen gut angepasst, und doch sind sie in ihrem Wesen stolze und eigenständige Lebewesen. Wie heißt es so schön: „der Mensch ist nur der Dosenöffner für eine Katze“. Da ist etwas Wahres dran. Schon seit langer Zeit ist das Mäusefangen kein vorrangiger Grund mehr sich eine Katze anzuschaffen. Vereinzelt noch im ländlichen Raum, auf Bauernhöfen. Dort leben sie meist recht frei und beeinflussen die Mäusepopulation. Aber sie sind auch eine Gefahr für die Artenvielfalt, besonders den Bestand der Vogelwelt. Das erweist sich immer mehr als ein Problem.

In den Medien, auch in Städte- und Gemeinderäten hört man immer wieder über Diskussionen, ob Katzen tatsächlich eine ernste Bedrohung für die Artenvielfalt in unserem Land darstellen. In Berichten des NABU ist die Rede von ca. 200 Millionen getöteten Vögeln /Jahr. Dies lässt das positive Image der Katzen in der öffentlichen Wahrnehmung etwas sinken. Aber es gilt zu differenzieren.

Die meisten Vogel -und Kleintierarten werden nicht von dem Stubentiger getötet. Wenn auch Freigänger, so jagen diese nur ab und zu aus Zeitvertreib, oder wollen ihren Besitzern ein „Geschenk“ bringen. Es wird jedoch geschätzt, dass jeder freilaufenden Katze jährlich 5 bis 20 Vögel zum Opfer fallen. Das eigentliche Problem sind eher verwilderte Hauskatzen. Sie sind gezwungen, den größten Teil ihrer Nahrung durch Jagd zu decken. In Deutschland gibt es kaum flugunfähige Vögel, sodass die Gefahr der Ausrottung der Vogelwelt deswegen nicht besteht. In Neuseeland hingegen kennt man das Problem, weil eingeführte Katzen für flugunfähige Vogelarten zum Verhängnis werden können. Die Tierwelt dort kennt keine Landraubtiere, anders als bei uns. Aber nur den Katzen das massive Vogelsterben zuzuordnen wäre zu einfach, und nicht gerechtfertigt.

Fest steht jedoch, Katzen tragen teilweise also schon zum Verlust der Artenvielfalt bei. Schätzungen zu Folge leben ca. 2 Millionen verwilderte Katzen bei uns im Land. Schon eine bedrohliche Zahl für viele Kleintierarten, wie z.B. Käferarten, Raupen, Libellen, und Jungtiere der Eichhörnchen. Katzen sind nun mal keine Vegetarier. Was kann man tun?

Vorschläge gibt es genug, vom Erheben einer Katzensteuer bis hin zur Kennzeichnungspflicht aller freilaufenden Katzen. Oder das Verbot für Katzenbesitzer, während der Brutzeit von Mai bis Juli, ihren Tieren in der morgendlichen Fütterungszeit des Nachwuchses keinen Freigang zu gewähren. Auch eine per Gesetz einzuführende Kastrationspflicht ist im Gespräch, ständig wird in politischen Gremien darüber beraten.

Viele Gemeinde -, Orts – und Stadträte haben sich für diese Regelung entschieden, mit unterschiedlichen Erfolgen. Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es nicht. Wo Gesetze beschlossen werden, muss man diese natürlich auch durchsetzen und kontrollieren. Weiterhin stehen kaum öffentlichen Gelder zur Verfügung. Private Besitzer von Katzen haben nicht immer die finanziellen Mittel dafür, oder sind mit dieser Maßnahme nicht einverstanden. Somit bleibt es ein schwieriges Unterfangen.

Eine weitere Möglichkeit wäre Katzen ein Glöckchen um den Hals tragen zu lassen, damit ist es fast unmöglich Vögel zu fangen. Für die Tiere allerdings eine Belastung.  Auch wird Gartenbesitzern empfohlen, ihre Bäume mit Manschettenringen zu versehen. Diese erschweren Katzen das Klettern, und Vogelnester wären sicherer vor ihnen. Viele Initiativen beschäftigen sich mit dieser Thematik im ganzen Land. Es wurden unzählige Vereine und sogenannte „Nothilfen“ gegründet, die sich um verwilderte Katzen kümmern. Bekommen diese Freigänger kontrolliert Nahrung, so müssen sie nicht wildern.

Wie festzustellen ist, gibt es wirklich die unterschiedlichsten Ansätze und Möglichkeiten dafür  zu sorgen, dass unsere Artenvielfalt diesbezüglich erhalten bleibt. Es ist jedoch wichtig dabei, nicht nur eine Tierart ins Visier zu nehmen. Viele andere Faktoren zerstören die Umwelt und bedrohen als Folge unsere Tierwelt. 

Fazit

Unsere Stubentiger bringen uns Freude und sind für unsere Seelen ein großer Gewinn. An uns Menschen liegt es für ein gutes Miteinander zu sorgen, und unseren Katzen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Es liegt in unserer Verantwortung, den Schutz von Vögeln sowie anderer Kleintierarten immer im Blick zu behalten. Denn auch wir müssen für die Natur da sein, denn sie gibt uns Menschen eine Menge, dies scheinen wir ab und an zu vergessen. Gehen wir also in jeder Beziehung sorgsam mit ihr um.

Titelbild Pixabay, Stephanie 28.12.2020

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