Politik:

Krankenhäuser melden ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten

Seit Jahren schon werden staatliche Krankenhäuser privatisiert. Diese arbeiten gewinnorientiert, in Zeiten von Corona birgt dies besondere Gefahren, sowohl für die Krankenhäuser, als auch für die Patienten. Viele der Häuser geraten zunehmend in Zahlungsschwierigkeiten, die Stagnation überwinden und die Schließung vermeiden ist kaum noch möglich. Viele kleinere Krankenhäuser müssen bereits aufgeben, oder Stationen werden geschlossen.

Dieses Jahr wurden bereits 20 Krankenhäuser geschlossen, acht davon im Dezember 2020. Darunter waren viele Standorte, die Coronapatienten behandelt haben, zahlreiche Intensivstationen und Notaufnahmen und auch überproportional viele Geburtsstationen. Von den Schließungen sind 2.144 Betten betroffen. Nächstes Jahr könnte es noch viel schlimmer werden. Laut Bundesrechnungshof droht 200 Krankenhäusern akut die Insolvenz. 

Kliniken melden ernsthafte Zahlungsprobleme, Lothar Lenz, WDR, ARD Berlin

Quelle: tagesschau.de

Da aufgrund der Pandemie eine bestimmte Anzahl von Intensivbetten für Corona-Patienten freigehalten werden müssen, fehlen den Krankenhäusern Einnahmen aus dem normalen Klinikalltag, wie etwa Operationen, klinische Behandlungen etc. Während große Privatkliniken diese Einbußen eher schultern können und Marktanteile gewinnen, beginnt das Massensterben der kleineren Häuser. Hinzu kommen die Finanzinvestoren, die alte Klinikstandorte billig aufkaufen und dort Pflegeheime oder Ambulatorien (Einrichtung für ambulante Behandlungen, Anm. d. Red.) einrichten. Es ist ein Milliardenmarkt.

Übersicht der größten Privatkliniken Deutschlands

Quelle: praktischArzt, Februar 2020

Bund und Länder geben seit 2016 viel Geld in einen Krankenhausstrukturfonds, aus dem bevorzugt Schließungen von Abteilungen oder ganzen Standorten gefördert werden (seit 2016 eine Milliarde Euro, seit 2018 750 Millionen Euro). Gleichzeitig kommen die Länder seit Jahren ihren gesetzlich vorgeschriebenen Investitionen in die Krankenhäuser nicht in vollem Umfang nach.

2017 wurden nur 44,3 Prozent der vorgesehenen Investitionen getätigt. Es wird Geld für Schließungen bereitgestellt, aber Geld für Investitionen, um Schließungen zu verhindern, offenbar nicht. Die Tatsache ist: Die Klinikschließungen passieren, weil Krankenhäusern das Geld ausgeht, und das ist politisch gewollt. 

Unser als großer Krisenmanager gefeierte Gesundheitsminister Jens Spahn jedoch schweigt zur größten Krise des Gesundheitssektors. Dies ist ein Unding. Gebraucht wird eine landesweite Klinikrettung, jede einzelne wird dringend benötigt. Dies sollte laut dem Bündnis Klinikrettung von Spahn garantiert werden.

Minister Spahn möchte das es den Bürgern gesundheitlich gut geht. So oft wie dies von ihm gerade jetzt wiederholt wird, klingt es wie eine Dauerwerbesendung von jemandem, der nicht so ganz weiß, welchen Stellenwert die Gesundheit für die Menschen hat. Das dabei in der Bevölkerung Ängste und Unsicherheiten entstehen hält ihn nicht davon ab, diese tagtäglich mit Horrormeldungen zu beschallen. Positivmeldungen scheint es nicht zu geben. Deswegen klingt seine Darstellung vom deutschen Gesundheitssystem wie Hohn. Leistungsstark. Sicher. Bewährt. Schließlich gehe es immer um die Patientensicherheit und das Patientenwohl.  Wie lange wird dies wohl noch so bleiben?

Zum Klinikabbau kommt der Pflegenotstand hinzu. Ca. 12.000 Vollzeitstellen fehlen zurzeit im Pflegebereich. Die Pflegekräfte selbst fordern eine bessere Personaldecke, denn Profite pflegen keine Menschen. Eine Abkehr vom Profitdenken im Gesundheitswesen scheint ihnen daher notwendig.

Ein wenig verhält es sich so wie mit der Schlange, die sich ständig in den Schwanz beißt. Die Regierung privatisiert und möchte Kliniken abbauen, diese brauchen die Einnahmen des täglichen Krankenhausalltags, die teilweise aufgrund der Pandemie nicht vorhanden sind. Stellen für Pflegepersonal können nicht geschaffen oder besetzt werden, von der Bezahlung ganz abgesehen. Vor allem auf den Patienten werden in der nächsten Zeit enorme Zusatzkosten zukommen, wie soll das alles funktionieren? Es ist doch ein Unterschied ob eine private Klinik unter ökonomischen Gesichtspunkten geführt wird, oder ein Chefarzt eine staatliche Klinik führt, die sich an dem gesundheitlichen Zustand der Menschen orientiert. Ein marodierendes Gesundheitssystem nützt letztendlich niemandem etwas. Jetzt, in Corona-Zeiten, sollte das eigentlich auch jedem Minister einleuchten.

Titelbild Pixabay, R.S. 31.12.2020

Ein Kommentar

  • Brigitte Krämer-Leimbach sagt:

    Es kann u. darf nicht sein…nun auch noch Krankenhäuser zu privatisieren ! Steuern zahlen wir doch genug u. der Staat hat sich schon aus vielen Institutionen herausgezogen…?? Unglaublich ..denn dann müssten/sollten wir auch weniger Steuern zahlen !!?? Post – Bundesbahn – DRLG – Blindenwerkstätten usw. werden kaum oder gar nicht mehr unterstützt ..mehr durch Spenden u. Ehrenämtern !!?

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